Korksammlung

Flaschenkorken

Kork ist ein Naturprodukt - aber nicht unbegrenzt vorhanden

Die mehrere Zentimeter dicke Rinde der immergrünen Korkeiche wird geschält und dient als Rohmaterial für verschiedene Korkerzeugnisse wie Schwimmwesten, Korkplatten, Korksohlen und Flaschenkorken. Die Heimat dieses Baumes ist Portugal, Spanien, Südfrankreich und das westlichen Italien. Es dauert 25 Jahre bis eine Korkeiche "schälreif" ist und weitere 10 Jahre bis abermals die Rinde geschält werden kann. Eine häufigere Schälung schädigt die Bäumen und kann zum Absterben führen. Besonders in den letzten Jahren erfreut sich Kork als Dämmstoff oder Bodenbelag steigender Beliebtheit, was vielerorts zu einem Raubbau an den Korkeichen geführt hat.

Korkensammlung im Rheingau-Taunus-Kreis - zum Wegwerfen zu schade!

Vor dem Hintergrund der großen Nachfrage an Korkprodukten und der dadurch entstandenen Gefahr der Übernutzung der Korkeichen, ist es sinnvoll, dieses Naturprodukt nicht zu verschwenden und mit dem Restmüll auf der Deponie abzulagern. Gerade Flaschenkorken sind problemlos zu verwerten und zu neuen Produkten zu verarbeiten. Der erste Schritt zum Recycling ist die getrennte sortenreine Sammlung.

Im Rheingau-Taunus-Kreis werden auf allen Wertstoffhöfen Flaschenkorken gesammelt und an eine Behindertenwerkstatt zur Herstellung von Korkgranulat weitergegeben. Es können ausschließlich Flaschenkorken angenommen werden, da bei anderen Korkabfällen meist Klebstoffe oder andere Materialien anhaften. Dies dient der Qualitätssicherung des hergestellten Granulates. Die Korken sollen in trockenem Zustand und ohne Metall- und Plastikkappen abgegeben werden. Bei nassen Korken kommt es leicht zu Schimmelbildung. Schimmelige Korken sind nicht mehr zu verwenden.

Korkverwertung im Kalmenhof Idstein

Kork als Material - vielseitig und schadstofffrei

Kork ist leicht, elastisch, schwer entflammbar und schwimmfähig. Kork dämpft Stöße ab, isoliert und dichtet. Aufgrund dieser Eigenschaften eignet sich Kork sehr gut zur Wärme- und Schalldämpfung in Wohnungen und Häusern, als Sohlenmaterial für Schuhe und als Verschluss von Sekt- und Weinflaschen. Allein an Flaschenkorken fallen in der Bundesrepublik ca. 1,2 Milliarden Stück an. Diese können hervorragend als Ausgangsprodukt für Dämmstoffe verwendet werden.

Korkrecycling in der Behindertenwerkstatt - ökologisch und sozial

Aus den gesammelten Korken wird in der Behindertenwerkstatt Kalmenhof in Idstein ein Korkgranulat hergestellt. Zuerst werden mögliche Verunreinigungen mit anderen Materialien aussortiert, so dass nur sortenreiner und lebensmittelechter Kork verarbeitet wird. Nach einer zweiten Sichtkontrolle werden die Korken belüftet, in 4 bis 12 mm kleine Körner geschrotet und in einem speziell entwickelten Verfahren entstaubt. Das so gewonnene Granulat wird in Papiersäcke abgepackt und als Dämmstoff in loser Schüttung direkt ab Kalmenhof sowie über Zwischenhändler verkauft. Da es sich um eine rein mechanische Bearbeitung ohne den Einsatz von Chemikalien handelt, enthält das Granulat keinerlei Schadstoffe.

Auf diese Weise sind im Rheingau-Taunus-Kreis sechs neue Arbeitsplätze für Beschäftigte der Behindertenwerkstatt in einem ökologisch sinnvollen Bereich entstanden.

Korkgranulat als Dämmstoff - der Kreis schließt sich

Das Korkgranulat verfügt über sehr gute Dämmeigenschaften und hat neben der hohen Dampfaufnahmekapazität auch eine gute Wärmespeicherkapazität. Aufgrund dieser Qualitäten bieten sich folgende Einsatzmöglichkeiten im Baubereich an: Wärmedämmung beim Neubau und in der Altbausanierung, Dach- und Bodendämmung sowie Schalldämmung. Das Material ist frei von Schadstoffen und enthält selbstverständlich keine Asbest- und Mineralfasern. Für einen Neubau werden zwischen 20 und 70 cbm Korkgranulat benötigt. Das Material wird lose zwischen Holzverschalungen im Wand- und Deckenbereich sowie unter die Dachschrägen zur Schalldämmung geschüttet. Aus dem Granulat können auch Korkplatten z.B. als Fußbodenbelag hergestellt werden.